Stilrichtungen
Der Begriff “Möbel” stammt von dem lateinischen Wort “mobilis” ab und bedeutet “beweglich” - im Unterschied zu den “immobilis”, den Immobilien. Wie bei Bauwerken ist auch die Gestaltung von Möbeln immer im Kontext ihrer zeitlichen Entstehung zu sehen: kunstgeschichtliche Epochen prägen nicht nur Gemälde, Bildhauerei oder Bauwerke wie Häuser und Kirchen, sondern eben auch die Innenausstattung, das Mobiliar.
Im Folgenden stellen wir verschiedene Epochen des Möbeldesigns kurz vor.
Barock (1570 - 1770)
Kennzeichen des Barock ist die Betonung von Pracht und reicher Verzierung: geschwungene Formen und üppige Ornamente dominieren bei Gebäuden und Möbeln. Dabei bleiben in der Grundstruktur jedoch strenge Formen erhalten. Barockmöbel wirken von außen ähnlich prunkvoll wie die Bauwerke des Barock. Die nicht sichtbaren Stellen, wie z.B. die Innenseiten von Schubladen, sind dagegen eher ursprünglich belassen.
Aus dem Barock stammt auch das lt. Wikipedia derzeit teuerste Möbelstück der Welt, das “Badminton Cabinet”. Hierbei handelt es sich um einen Kabinettschrank aus dem 18. Jh. von über 3,80 m Höhe und ca 2,30m Breite, der in mehreren Jahren Bauzeit in den Werkstätten der Medici in Florenz aus Ebenholz und vergoldeter Bronze gefertigt wurde. Der Schrank wurde 2004 vom Fürst Hans Adam II. von und zu Liechtenstein für über 24 Mio Euro ersteigert und ist derzeit im Liechtenstein Museum in Wien zu bestaunen.
Rokoko (1730-1790)
Der Rokoko ist kunstgeschichtlich mit dem Barock verwandt und wird daher auch als “Spätbarock” bezeichnet. Im Rokoko brechen die eher strengen Grundformen des Barock auf, so dass sich Möbel des Rokoko durch viel geschwungenere, sogar asymmetrische Formen von den Möbeln des Barock unterscheiden. Rokoko-Möbel zeichnen sich daher durch ihre verspielte Eleganz aus . Ein Beispiel für diese spielerischen und geschwungenen Formen ist die berühmte Chaiselongue, die in der Zeit des Rokoko erfunden wurde und die Sessel und Fußbank zu einem einzigen Möbel verschmilzt.
Klassizismus (1770-1830)
Im Klassizismus leben die Gestaltungsprinzipien des klassischen Altertums wieder auf, vor allem die griechische Antike. Damit werden wieder geometrische Formen und klare Linien modern, die in ihrer Einfachheit die Verspieltheit des Rokoko als verschwenderisch erscheinen lassen. Auch die Möbel des Klassizismus orientieren sich an dieser klaren Formgebung.
Biedermeier (1815-1848)
Die Zeit des Biedermeier ist charakterisiert durch eine Rückbesinnung auf das private Umfeld, das Heim. Das Bürgertum findet zu seiner eigenen Kunst und Kultur. Anschließend an die Zeit des Klassizismus zeichnen sich Biedermeier-Möbel durch einen einfachen und zugleich eleganten Stil aus. Typische Biedermeier-Möbel wie Kommoden und Sekretäre wirken heimelig und sind vor allem wegen ihrer Zweckmäßigkeit immer noch beliebte Möbel.
Historismus (1850-1900)
Im Historismus werden vergangene, vor allem prunkvolle Stilrichtungen nachgeahmt, daher lassen sich hier Erscheinungen wie Neobarock, Neorokoko, Neohistorismus oder Neugotik unterscheiden. Die Imitation früherer Prunkstile war dem Bedürfnis des Bürgertums geschuldet, das seinen neuen Reichtum nach außen tragen wollte. Die Möbelherstellung verändert sich wie die gesamte Wirtschaft durch die zunehmende Industrialisierung: Neue Maschinen ermöglichen eine schnellere und günstigere Produktion der Möbel. Dafür wurden aber auch häufig billige Materialien anstelle teurer Rohstoffe verwendet.
Jugendstil (1890-1910)
Der Jugendstil als prägende Stilrichtung der Jahrhundertwende entstand aus der britischen Arts-and-Crafts-Bewegung. Diese wandte sich von der maschinellen Produktion ab und wollte zur handwerklichen Fertigung der Möbel zurückkehren. Die entsprechend hochpreisigen Möbel konnten sich wiederum nur wenige Menschen leisten. Stilistisch auffallend bei Jugendstilmöbeln sind Formen, die sich an der Natur orientieren und florale Muster aufweisen, sowie geschwungene Linien.
Bauhaus (1919-1933)
Mit dem Bauhaus-Stil wird heute der Beginn der Moderne verbunden. Der Stil geht zurück auf die gleichnamige Kunsthochschule, die Walter Gropius 1919 in Deutschland gründete und die 1933 geschlossen wurde. Leitgedanke des Bauhauses war, Kunst und Handwerk zusammenzuführen und dabei den Anforderungen der industriellen Produktion trotzdem gerecht zu werden.
Art Déco (1925-1945)
Der Name “Art Déco” leitet sich von einer Ausstellung namens “Exposition des Arts Décoratifs et Industriels Modernes” in Paris ab, die 1925 von französischen Künstlern initiiert wurde. Ein genaues Gestaltungsmerkmal lässt sich nur schwierig benennen, da “Art Déco” auf verschiedenen Stilrichtungen, vor allem auf dem Jugendstil, beruht. Oft werden florale Motive stilisiert. Prägend ist vor allem die Grundhaltung, starke Farben, formale Eleganz und qualitative Materialien künstlerisch miteinander zu kombinieren. Mit dem Ende des zweiten Weltkrieges kam auch das Ende des Art Déco, der in seiner luxuriösen Erscheinungsweise nicht mehr zur Nachkriegszeit passte. Er prägte jedoch auch die Kunst der 1950er Jahre noch mit.







